1943 abgeschossener Bomber

Infolge der Verschärfung des Luftkrieges wurde zum Schutze der Kinder ein Keller unter dem Schulgebäude zum Luftschutzkeller ausgebaut. Am 24. Juni 1943 wurde ein viermotoriger eng­lischer Liberator-Bomber über Ahlen von einem deutschen Jäger, der dann bei Sustrum ver­brannte, direkt über Müll abgeschossen. Ein Flügel stürzte brennend auf das Schulhaus zu und wurde in einer Höhe von 150 m von einem plötzlichen Windstoß abgetrieben und fiel 150 m von der Schule entfernt auf die Wiese von Franz Koop (Poller). Zehn Flieger lagen tot auf einer Wiese bei Müll. Zwei hatten sich durch Fallschirmabsprung gerettet.
Das Überfliegen durch englische und amerikanische Bomber nahm ständig zu, und hoch am Him­mel sah man die Kondensstreifen, welche die Auspuffgase der Motoren in der kalten Höhenluft hinterließen. Mehrmals fielen Bomben an der Straße nach Dörpen und Wippingen mit 35 - 40 Bombentrichtern.

1944 Angriff auf Personenzug Bahnhof Kluse

Oft wurden Personenzüge beschossen, vor allem die Lokomotiven. Eine abgestellte Lokomotive auf dem Bahnhof Klüse hatte 99 Einschüsse. Einmal feuerte ein Tiefflieger in aussteigende Reisende beim Bahnhof Klüse und tötete zwei Personen, mehrere wurden schwer verletzt. Sehr oft mußten bei Fliegerbeschuß die Personenzüge auf freier Strecke halten und die Reisenden im Gelände Schutz suchen

1944 Schulausfall

Durch die Zunahme der Kriegshandlungen war bald ein geordneter Schulbetrieb nicht mehr möglich. Wei­ter entfernt wohnende Schulkinder wagten sich nicht mehr auf den Schulweg, vor allem, wenn der Bahnkörper gekreuzt werden mußte. Im Winter 1944 fiel der Unterricht ganz aus. In den Klassenräumen wurden Schanzarbeiter untergebracht. Von Strafgefangenen wurden entlang der Landstraßen Einmannlöcher zum Schutz gegen Tiefflieger ausgeworfen. Dann zogen polnische und russische Zwangsarbeiter in die Klassenräume ein, wo sie auch verpflegt wurden. Tagsüber warfen diese auf den Äckern, vor allem in den Wäldern bei Krall und Campe, Schützengräben, Unterstände, M.G.-Löcher und Packstände aus. Es war zum Lachen, wenn man die Verschande­lungen der Äcker sah, die die überragende Technik und Schnelligkeit des modernen Krieges auf­halten sollte.
Je näher die Front kam, um so nötiger hatte man die Schulräume für andere Zwecke. Täglich trafen zu Fuß große Transporte von Kriegsgefangenen, Internierten und zurückgeführten russi­schen Zwangsarbeitern ein. Sie wurden hier verpflegt, übernachteten in der Schule und gingen folgenden Tags mit ihrem armseligen Gepäck - ein Bild des Elends - in nördliche Richtung wei­ter.
Immer näher rückte die Front von Süden her.

1945 Sprengung der Ems-Brücke

Am 09.04.1945 gegen 11.00 Uhr wurde die schö­ne Emsbrücke bei Steinbild in unverantwortlich blödsinniger Weise gesprengt. Zu gleicher Zeit wurden noch andere Brücken zerstört.

1945 Besetzung von Ahlen und Steinbild

Um 13.00 Uhr fuhren die ersten Panzerspähwagen von Lathen kommend auf den Bahnhof Klüse zu. Vereinzelte deutsche Marinesoldaten leisteten Gegenwehr. Bei diesem Geplänkel starben drei deutsche Soldaten, ein Oberstleutnant und zwei Gefreite, den Heldentod. Ihre Gräber waren in der Nähe der alten Grüterschen Molkerei. Die Panzersperre bei Kruths Haus wurde schnell geöffnet, um unnötigen Beschuß zu vermeiden. Nach­dem die kanadischen Verbände bei der Wirtschaft Grüter die Mittagsmahlzeit verzehrt hatten, ging der Krieg weiter. Johann Brikker von Kluse hatte diese Kampfpause durch Zeigen der weißen Fahne bewirkt. Wenig später kam auch ein Abgesandter der hiesigen französischen Kriegsge­fangenen und bat um Mitnahme. Gegen 5.00 Uhr rückten die Kriegsgefangenen für immer ab. Die Panzer fuhren in riesiger Zahl durch bis Dörpen. Die Schießerei über den Kanal begann als­bald und dauerte Tag und Nacht. Am 10.04.1945 gegen 7.00 Uhr morgens trafen die ersten Pan­zer - vorweg ein Motorrad - in Ahlen ein. Es erfolgte keinerlei Gegenwehr. Fräulein Elisabeth Niehoff zeigte sofort mutig eine weiße Fahne. Die Truppen waren ordentlich, zuvorkommend, besetzten für einige Stunden einige Räume und fuhren zum größten Teil gegen 20.00 Uhr wie­der ab in Richtung Dörpen, wo die Kanalbrücken auch zerstört waren. Die Bewohner wurden aufgefordert, Waffen abzugeben und den Besitz von Fotoapparaten und Fernrohren an die Hau­stür anzuschlagen. Viele Befehle und Verhaltensmaßregeln wurden bekanntgemacht. Am 14.04.1945 rückten polnische Verbände von Süden ab. Sie trugen englische Uniformen und hat­ten auf dem linken Ärmel "Poland" stehen. Ahlen und Steinbild waren Frontorte geworden. Alle Straßen standen in den folgenden Tagen voller Kriegsfahrzeuge. Die Artillerie schoß nach Norden über den Kanal hinweg. Geschütze standen sogar im Ort. In Ahlen wurden einige Häuser ganz beschlagnahmt (Liesen, Schomaker, Brand, Schwenke, Grothues). Viele Sachen kamen abhanden (Fotoappara­te, Radios, Kleidungsstücke, Konserven und Haushaltungsgegenstände). In der Schule wurden die Geige, Stoppuhr, Barometer, Globus entwendet, Bücher und Zeitschriften zerrissen.
Die Hitlerbilder wurden draußen als Zielscheibe benutzt. Die Lehrerwohnung mußte für mehre­re Tage geräumt werden.

1945 Kampfhandlungen

Bis 15.04. abends mußten alle Einwohner von Dörpen, ob Kranke oder Bettlägerige, den Ort räumen. Heftige Kämpfe zwischen SS und "Poland" spielten sich im Raum der Schleuse Dörpen ab. Immer wieder zerschossen die deutschen Truppen die neu geschlagene Brücke über den Kanal. Der 20. April, Hitlers Geburtstag, war für Dörpen ein Unglückstag. Unge­fähr 80 Häuser gingen in Flammen auf. Endlich, am 21.04., ist die Nordbrücke fertig, und die Kampfverbände zogen nach Norden ab. Nun konnten auch die Ostarbeiter, die auf Befehl Sauckels ihre Heimat verlassen mußten, in ihre Heimat zurück. Nördlich des Küstenkanals gingen die Kampfhandlungen weiter. Schwer zerstört waren Lehe und Rhede. In Heede wurde der Bürger­meister Connemann von SS-Männern erschossen, weil er den Ort übergab, um Verwüstungen zu verhindern. Am 28.04. wird Leer nach harten Kämpfen eingenommen. Die Schule in Ahlen wird von Poland-Truppen besetzt. Am 06.05. zogen diese ab, und am folgenden Tag besetzten Kana­dier die Räume und benutzten den Spielplatz als Parkplatz für ihre Autos.

1945 Kriegsende

Anfang Mai bis 03.05. wurde in der alten Schule ein polnischer Soldat wegen Mordes von einem Militärgericht zum Tode verurteilt, kurz darauf vor dem Kreuz am Posken­berg erschossen und in der Sandgrube südlich davon beerdigt. Alles ruhte: Eisenbahn, Post, Schif­fahrt, Telefon, elek-trischer Strom. Es gab keine Zeitungen, Molkereien sind geschlossen. Täg­lich mußten 10 - 20 Personen zum Lager V beim Emslandhaus, das von weiblichen Polen besetzt war, zum Arbeiten. Mehrere Sammlungen mußten durchgeführt werden. Anfang Juli wurden für die Zivilpolen im Lager IV eine Möbel- und Hausratssammlung, im August 1945 eine große Spinnstoffsammlung (u.a. mußten 10 Anzüge, 100 Decken, 10 Kleider, 5 Mäntel und viel Wäsche gespendet werden) durchgeführt. Im Juli 1945 bekam Ahlen ca. 90 Mann polnische Besat­zungstruppen. In den Häusern von Thormann (Framen) bis Liesen und Bögemann wurden die Räume beschlagnahmt. Am 15.10.1945 fand erst der erste Unterricht wieder statt. Im Oktober kamen die ersten 16 Flüchtlinge aus den polnisch besetzten Gebieten, im März 1946 71 Flücht­linge und im Mai weitere 61 Flüchtlinge. Die Unterbringung bereitete große Schwierigkeiten. Zwischendurch trafen auch die sogenannten B-Soldaten ein, es waren entlassene Kriegsgefange­ne, die in der polnisch oder russisch besetzten Zone Beheimatete waren und dahin nicht zurück konnten. Ungefähr 25 - 30 B-Soldaten wurden bei den Bauern als Landarbeiter untergebracht.