Erwähnung

Die Kirche zu Steinbild wird zu­erst am 7. Dezember 1304 er­wähnt. In diesem Schriftstück wandten sich bedrohte "Freie von Dörpen", die sich zur Kirche in Steinbild zählten, an die Edlen von Ahaus, die damals als Kir­chenträger anzusehen waren.

Madonna der Fahrensleute

Zur Steinbilder Kirche gehörte die alte Sandsteinmadonna, die heute im Inneren der Kirche steht. Diese "Madonna der Fahrensleute", wie sie genannt wird, war die Schutzheilige der Schiffer und Fischer auf der Ems.
Einstmals soll die Muttergottes in einer Nische an der Außenwand des südlichen Langschiffes der Kirche gestanden haben, so daß die vorüberfahrenden Schiffer sie grüßen konnten. Durch Veränderung der Kirche und nötig werdendes Abstützen mit weiteren Strebepfeilern ist diese Nische verschwunden und die Muttergottes verlor ihren alten Platz.
Die Muttergottes von Steinbild ist in verschiedener Hinsicht historisch und kunstge­schichtlich recht interessant. Ihr Material besteht, soweit das unter dem dicken Anstrich zu ergründen ist, allem Anschein nach aus Baumberger Sandstein. Aus diesem Sandstein, der aus Baumbergen in der Nähe von Münster stammt, bestehen die meisten mittelalterlichen Plastiken in Münster, Osnabrück, Paderborn und der dazwischen liegenden Landschaft. Schon vom Material her fügt sich unsere Madonna in die alt-westfälische Plastik ein. Viel deutlicher wird dieses durch Ver­gleich der Formgebung unserer Gottesmutter mit den Madonnen in dem eben umrissenen Raum.
Die Gottesmutter (Größe 1,40 m) trägt auf kurzem, gedrungenem Körper mit rei­chen Faltendrappierungen, ein leichtgeneigtes Haupt mit fülligem, reich gelocktem Haar. Die ineinandergeschlungenen, großen Wellen dieses Haares fallen fast wie ein Tuch auf beide Schultern. Eine überschwere Krone mit riesigen, in Blattform endenden Zacken, erhöht den Eindruck der lastenden Schwere. Das Jesus-Kind ist wie seine Mutter mit einem faltenreichen, langärmeligen Gewand bekleidet. Die Hände von Mutter und Kind sind in liebevollem Spiel miteinander vereinigt. Mit ihrer Linken reicht die Gottesmutter dem Kind ein Täubchen, das seine Flügel weit auseinanderspreizt. Das Kind greift mit seinem Händchen danach. Die beiden Rechten von Mutter und Kind sind liebevoll ineinander gefügt. In einem deutlichen Gegensatz dazu steht der Ausdruck der Gesichter, die beide etwas Unnahbares, in die Ferne Schauendes haben.
Alle diese Eigenheiten der Plastik lassen sich durch ihren Herkunftsort und ihre Entstehungszeit erklären. Die Madonna aus der Marienpfarrkirche in Volkmarsen, in Hessen, könnte die Schwester der Steinbilder sein (Hinweis von Dr. Andre', Hannover). Auch diese Frau ist kleinwüchsig und trägt über dem reichgelockten, wie ein Tuch angeordnetem Haar, eine überschwere Krone. Der Ausdruck des Gesichtchens mit dem kleinen, spitzen Kinn und den etwas vorkommenden Augen ist bei beiden Figuren gleich fern und unbeteilligt. Das Kind sitzt der Mutter in glei­cher Weise hoch auf dem rechten Arm und greift hier statt nach der Taube, nach einem Spruchband. Das Gewand der Steinbilder Madonna ist unruhiger und falten­reicher, als das der südlicheren Schwester. Aber die Eigenheit, den Saum des Man­tels am Arm zurückzuschlagen, ist völlig übereinstimmend. Auch die Art, wie die geringe Kurvung des Körpers jeweils in dem spitzbeschuhten Fuß ausschwingt, ist vom gleichen künstlerischen Wollen getragen. Diese Madonnen sind trotz des fer­nen Ausdruckes ihrer kleinen Gesichter keine Königinnen im Sinne des 13. und 14. Jahrhunderts, sondern schon stark vom Schönheits-Ideal des Bürgertums geprägt. Glücklicherweise steht die Madonna in Volkmarsen auf einem Sockel, der als Datierung die Jahreszahl 1404 trägt. In die Nähe dieser Jahreszahl, d.h. in das erste Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts, müßte man auch die Steinbilder Plastik einreihen.
Beide Madonnen gehören in den Zusammenhang einer großen Werkstatt um 1400, die im Paderbornschen ihren Hauptsitz gehabt haben muß und von dort nach allen Seiten weithin ausstrahlte. Wir müssen an die Möglichkeit eines Versandes von fer­tigen Stücken aus der Werkstatt, aber auch an die Möglichkeit einer Wanderung von Teilen der Paderborner Werkstatt denken. Zur Errichtung von reichen Porta­len und sonstigen Figurenzyklen in Kirchen und Klöstern lohnte sich das durchaus und ist verschiedentlich belegt. Für die Madonna in Steinbild kommen über die Vermittlung von Kloster Bentlage und Rheine beide Möglichkeiten in Frage. Die­sen Einzelheiten nachzugehen ist nicht möglich. Eines ist gewiß, in Steinbild selbst entstand diese Plastik wohl kaum. Leider wissen wir wenig darüber, wie weit Ems aufwärts der Fluß schiffbar war, so daß wir keine Gewißheit haben, ob die Plastik per Schiff oder über die wenigen Wege nach Steinbild gelangte. Mit Flößen aber kann man auch in flachen Gewässern schwere Lasten transportieren, und es ist in früheren Zeiten wahrscheinlich leichter gewesen, auf dem Wasser als auf versumpf­ten Wegen mit einem schweren Stein vorwärts zu kommen. Der Gedanke, daß die Madonna der Fahrensleute Ems abwärts nach dem alten Stenebille gelangte, ver­bindet die Gottesmutter noch stärker mit den Fischern und Schiffern, als es ihr alter Platz an der Außenwand der Kirche oberhalb der Ems schon immer tat.