Steinbild (spätestens 1304 n. Chr.)
Die erste ausdrückliche namentliche Erwähnung Steinbilds geht zumindest in das Jahr 1304 zurück.
Der Ort ist insbesondere als Sitz einer alten Eigenkirche sicherlich älter. Die Hebe­register des Klosters Corvey jedenfalls führen den Ort Steinbild nicht.
Es sei darauf daraufhingewiesen, daß es sich bei dem Namen , ,Stenebele" (= Steinbild), und insbesondere bei dem aus dem nor­wegischen stammenden Wortteil "bele" (= Anhöhe, Anhäufung), um eine ältere Bezeichnung handelt.
Bei der Schenkung aus dem Jahre 1177 (so bezüglich Ersterwähnung Heede) finden wir aufgeführt:
"Novale quoddam in Bele imbeneficatium." (= unbelehntes Brachland in Bele!)
Es liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei diesem Bele schon um den Ort Stein­bild gehandelt hat. Eine alternative Spekulation geht auch in Richtung der heutigen Besitzung Bei bei Lathen.
Ein weiterer Hinweis datiert vom 31. 12. 1303. Im südlichen Bereich des Ortes Steinbild lag der alte Rittersitz Osterwedde, der Stammsitz eines gleichnamigen Geschlechts. Er wird urkundlich zuerst am 31. 12. 1303 genannt, als der Abt Hein­rich von Corvey seine Ministerialen Heinrich von Osterwedde, Sohn des Ritters Heinrich, und Heinrich von Meppen, Otto's Sohn, mit dem Bischof von Münster gegen die Knappen Eberhard, Hermann und Johann von Schwencke austauschte. Durch diesen Tauschvertrag dürfte das Gut Osterwedde münsterisches Lehen geworden sein.

Aus der Urkunde:
Heinrich von Gottes Gnaden, Abt der Kirche zu Corvey, wir wollen, daß allen (. . .) bekannt sei, daß wir Heinrich, den Sohn Heinrichs von Osterwedde, Soldat, und Heinrich, den Sohn Ottos von Meppen, Knecht, und die Herrin Alburgis, die Frau Gottschalks, der Hovel genannt wird, unsere und unserer Kirche Dienstleute, dem ehrwürdigen Vater und Herrn Otto, dem Bischof der Kirche zu Münster, und seiner Kirche als Dienstleute geben, wobei wir von demselben Herrn Bischof und seiner Kirche als Tauschwert Eberhard, Herman, Johann, Brüder, Knechte, Söhne des Eberhard, genannt Swencken, Soldat, für uns und unsere Kirche als Dienstleute entgegennahmen mit dem gleichen Anspruch des Tausches. Als Zeugnis für diese Angelegenheit ist unser Siegel vor den Anwesenden angehängt. Gege­ben zu Osnabrück im Jahre des Herrn 1303 am Tage vor Circumcissio Domini.
Die erste namentliche Nennung Steinbilds verdanken wir einer Urkunde vom 7. Dezember 1304. Anläßlich einer Aussöhnung schenkte der Bischof von Münster die ,,Freien von Dörpen" dem Grafen Otto von Tecklenburg. Die Freien stellten sich jedoch unter den Schutz der Edlen von Ahaus, die Eigentümer der Pfarre Stein­bild waren, zu der sich die Dörpener zählten.
In der Literatur steht verschiedentlich zu lesen:
, ,So begaben sich die freien Unterhöfe von Dörpen 1304 unter den Schutz der Edlen von Ahaus".. ."
Heute mag es sehr merkwürdig erscheinen, wenn anno 1304 Beziehungen zwischen dem Emsland und dem westfälischen Ahaus bestanden. Doch ist die Verbindung sehr wohl erklärbar, und zwar ergibt sie sich aus der jahrhundertelangen Zugehörig­keit Dörpens zur Pfarre Steinbild (bis zum 16. Jahrh.).
Zunächst ist allerdings auf die Edlen von Ahaus einzugehen. Aus ihrer Geschichte ergibt sich, daß sie von altersher sehr vermögend waren; bereits vor 1139 übten sie über ein umfangreiches zusammenhängendes Gebiet ihre Herrschaft aus. Daneben hatten die Edlen eine beträchtliche Anzahl getrennt liegender Besitzungen. Zu die­sen Besitzungen hat nachweislich der Haupthof Stenebille (Steinbild) gehört, von dem aus sie die Missionierung der Umgebung veranlaßt haben, vielleicht auch mit dem Nebenzweck, ihren Besitz dadurch zu sichern und auszudehnen. Sicher ist auch, daß sie Kirche und Pfarre auf ihre Kosten errichteten; dies beweist unter anderem die Wahl des Hl. Georg zum Patron der Steinbilder Kirche. Da die Edlen von Ahaus nie zugunsten der Kirche auf dem Haupthof verzichtet haben, sind sie stets Besitzer und auch Schutzherren der Pfarrkirche geblieben. Dieses Pastorat ist ihnen nie streitig gemacht worden, auch nicht vom mächtigen Kloster Corvey.

Da also die Edlen von Ahaus Eigentümer und Schutzherrn des Haupthofes Stein­bild waren, ist es nicht verwunderlich, wenn die freien Unterhöfe zu Dörpen, die sich zu Steinbild rechneten, sie um Schutz ersuchten.
Abzugrenzen von den freien Unterhöfen sind in diesem Zusammenhang die Höfe, die nicht frei waren, wie z. B. die des Klosters Corvey (siehe oben). Die Frage ist nun, warum und vor wem die Dörpener Bauern Schutz bei den Edlen suchten.
Bekanntlich war das 14. Jahrhundert die Zeit der Auflösung des Machtverfalls der deutschen Königsmacht durch die stetig wachsende Selbständigkeit der Landesfür­sten, auch der Kleinsten, die sich fortlaufend selbst wegen der geringfügigsten Besitzteile befehdeten und bekriegten.
Landesherrlich gehörte das Emsland im Jahre 1304 zu Fürstbistum Münster. Dieses war unter dem Bischof Otto II. von Lippe (1248, 1259) in den Besitz gelangt, und zwar durch Kauf von Gräfin Jutta von Ravensberg-Montjole (Frau von Mundelo) am 18. Juni 1252 für einen Kaufpreis von 40.000 Mark.
Westfälisches Urkundenbuch VIII Nr. 241-242
Aussöhnung zw. dem Bischof von Münster und Grafen von Tecklenburg; der Graf von Tecklenburg erhält u. a. die Freien zu Dörpen.
1304 Dezember 7 (Münster).
Bischof Otto v. Münster söhnt sich mit seinem Neffen, dem Grafen Otto v. Tecklen­burg, aus; letzterer verspricht, in dem Kampf zwischen dem Bistum Münster und der Grafschaft Mark Neutralität zu beobachten.

Laut Urkunde erhielt er die Vogtei und die Freien:
Gegen diesen Handel wehrten sich die Freien von Dörpen, indem sie die Edlen von Ahaus um Schutz und Wahrung ihrer Interessen baten. Ahaus war offenbar als Eigentümer der Pfarre Steinbild der nächste pflichtgemäße Beschützer der Dörpe-ner Freien. Man traute den Edlen Macht und Einfluß zu, um das Dörpener Schutz­begehren mit Nachdruck zu erfüllen. Immerhin gehörten sie zu den einflußreich­sten Herrschaften im Hochstift Münster; dies geht auch daraus hervor, daß sie des­sen Hofwürde, das Truchseßamt (höchster Vertreter des Landesherrn in einem fes­tumgrenzten Amtsbezirk) bis zu dessen Erlöschen in der 2. Hälfte des 14. Jahrh. bekleideten.
Genau weiß man nicht, was die Edlen von Ahaus unternommen haben. Bekannt ist, daß die Fehde um die Freien von Dörpen größeren Umfang annahm, sie jedoch für den Fürstbischof von Münster ungünstig endete.
Die Freien von Dörpen blieben jedenfalls bei Steinbild. Zum Schicksal der Freien von Ahaus ist zu bemerken, daß die Macht und Bedeutung mehr und mehr sank.
Bereits 1315 erwarb Fürstbischof Ludwig von Münster von ihnen die viel umstritte­nen Burgen Bredeneck und Lon in niederländischen Geldern gegen Verpfändung der Burgen Landegge und Fresenburg. In der ersten Hälfte des 15. Jahrh. ist die Burg Ahaus dann gänzlich in den Besitz des Bischofs von Münster gelangt.
Jedenfalls zeugen die Ereignisse zu Beginn des 14. Jh. von der Verbindung Stein­bilds mit der Burg Ahaus.