1534 Betrieb

Die "Steinbilder Fähr" steht für eine althergebrachte Verbindung zwischen den sehr alten Ortschaften Steinbild und Walchum bzw. den jeweils benachbarten Orten.
Wenn auch die Fährverbindung u.U. um Jahrhunderte älter sein mag, finden wir die ersten Belege in den Steuerlisten ab 1534. Die Pflugschatzung des Jahres 1534 und die nachfolgenden Schätzungen bis 1562 nennen einen "Evert de Veer" sowie seine Familie.

1754 Fährunglück

In diesem Jahre ging die Fähre unter und riß 22 Menschen in den Tod. Das Unglück trug sich zu am 25. Januar. Die Steinbilder Kirchenchronik meldet darüber folgen­des: Am Feste Pauli Bekehrung, des Morgens gegen Hochamt, sind die folgenden unter dem Anblick der herumstehenden Pfarreingesessenen uäter großem Jammer­geschrei derselben, ertrunken in der Ems. Es folgen dann die Namen der Ertrunke­nen. Sie stammen aus Dersum, Sustrum und Walchum. Es heißt weiter, daß einer von ihnen noch lebend ans Land gezogen wurde, aber gleich darauf verstarb. Die größte Anzahl der Leichen konnte an demselben Tage geborgen werden. Einzelne wurden später gefunden. So die letzte am 27. Februar 1756. Eine Leiche aus Der­sum ist überhaupt nicht geborgen worden. Unter den ums Leben gekommenen befand sich auch der Fährknecht "der Führer und Leiter des Schiffes", wie ihn der Chronist nennt. Von dem Fund der Leiche am 27. Februar 1756 erzählt der Volks­mund folgendes: Der Witwer wollte an diesem Tage zum zweitenmale zum Traual­tar treten. Als er die Emsfähre betrat mit seiner Braut trieb die Leiche an. Das ging ihm so zu Herzen, daß er die Hochzeit aufsagte und Witwer blieb bis an sein Lebens­ende. Der Chronist schließt: Gott der Herr gebe Ihnen die ewige Ruhe, weil alle unschuldig nur zum Gottesdienst gehen wollten, und vor wenigen Tagen die hl. Sakramente empfangen hatten. Zur Erinnerung an diesen schwarzen Tag der Fähre errichtete man in Sievering "Beel" einen Sakramentsaltar. Alljährlich, bei der Fonleichnamsprozession wird an dieser Station derer gedacht, die damals die Ems in den Tod riß. Seit dieser Zeit ist kein Menschenleben bei der Fähre wieder zugrunde gegangen.

1920 2. Unglück

Das Unglück im Jahre 1920
Freitag, 12. März 1920. Kirchgänger von Sustrum und Walchum wollen zur Fasten­andacht. Die Fährpünte ist am linken Emsufer. Sie ist voll - sitzt auf Sand fest. Trotz aller Bemühungen will dieselbe nicht flott werden. Am Ufer sammeln sich immer mehr Leute an. Jetzt ist die Pünte vom Sand los, da springen noch ca. 20 Menschen in dieselben hinein. Jeder möchte gerne mit, denn das lange Stehen am Ufer ist bei dieser Witterung gesundheitsschädlich. Aber, diese Belastung konnte die Fähre nicht aushalten - sie begann zu sinken; denn von der Vorderseite strömte das Wasser hinein. Ein Angstgeschrei erhob sich, und im selben Moment sprangen seitwärts 40 Menschen in die Ems, es waren Männer. Ein Junge aus Sustrum, der eingekeilt zwischen ihnen stand, wurde mitgerissen. Jeder suchte sich zu retten, sie erreichten auch alle das Ufer. Am Ufer ein eiliges Hin- und Herlaufen - Taue - Stangen, alles wurde gesucht - aber meistens ist so etwas nicht da . . . Da gelang es den Fährknechten mit einem gewaltigen Ruck die Pünte herumzureißen. Das größte Unglück war verhindert, aber im Wasser trieben 3 Menschen. Schnell den Kahn zur Hand und alle drei wurden dem nassen Element entrissen. Am Ufer wur­den sofort von den Lehrern aus Walchum und Sustrum Wiederbelegungsversuche angestellt - mit Erfolg. Zwei von den erretteten stammten aus Walchum, einer aus Neusustrum. Im Hause des Herrn Kremering fanden dieselben warme Aufnahme. Unterdes hatte das Telefon in Sustrum und Walchum die Nachricht vom Unglück gebracht. Die meisten Einwohner eilten Steinbild zu; denn jedes Haus hatte Ange­hörige zur Kirche geschickt. Aber es ist wie ein Wunder, kein Menschenleben ist zu beklagen gewesen.

1921 Die Fähre ruht

Freitag, 11. März 1921, zwei Uhr nachmittags wurde der Fährbetrieb von dem Besitzer Wilkens eingestellt. Fast 300 Jahre war die Fähre in seinem Besitz. Der Grund lag in der Bezahlung seitens der Gemeinden Sustrum und Walchum. Nun ruht der ganze Verkehr herüber und hinüber.
Die Post erscheint jeden dritten Tag. Während dieser fährlosen Zeit wurde der Betrieb auf der Ems durch vier Kähne aufrecht erhalten, deren Besitzer Ganse-forth, Alfers, Kremering und die Emsverwaltung waren.
Und nun hier die Namen der letzten Fährknechte:
Karl Jahn aus Kassel. Er war während des Krieges als Landsturmmann in Stein­bild;
Johann Kremer aus Börgerwald;
Franz Fischer aus Heede;
Hermann Springfeld aus Walchum;
Bernard Hoppe aus Walchum;
Heinrich Springfeld aus Walchum.

1945 Fähre wieder in Betrieb

Um die Versorgung der linksemsischen Gemeinden sicherzustellen, mußte die Fähre nun wieder her. Im Januar und Februar 1946 wurde mit den Arbeiten begon­nen. Hinter der Bäckerei Ganseforth wurde die Anlegestelle eingerichtet. In der Ems wurde eine Einbuchtung geschaffen, und die Wiese bis an den Friedhof wurde für eine Straße aufgeschüttet. Der Verkehr wurde um den alten Friedhof geleitet. Anfang April wurde die Fähre in Betrieb genommen, die aber um Pfingsten durch eine neue mit 21 m Länge und einer Tragkraft von 6 Tonnen ersetzt wurde.